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Beschreibungen Sándor Márai: Ein Leben in Bildern PDF
Zeit seines Lebens war Sándor Márai (1900-1989) der große Unbekannte der ungarischen Literatur. Letztere habe "keinen 'autobiografischer schreibenden' Autor", notierte der Literaturwissenschaftler Mihály Szegedi-Maszák 1991 in seiner Monografie: "Trotzdem weiß man seltsamerweise nicht viel über Márais Leben." Dies hat wohl vor allem damit zu tun, dass der Verfasser von Romanen wie Die Glut, Die jungen Rebellen oder Das Vermächtnis der Eszter selbst in seiner Bilanz Bekenntnisse eines Bürgers immer wieder falsche Fährten über seine wechselvolle Karriere legte. In seinen Betrachtungen zu Himmel und Erde hat Márai dieses ironische Spiel mit Dichtung und Wahrheit in einem selbstreflexiven Gedicht zu fassen versucht: "Bei Wind bin ich geboren, abends um acht", "Habe Kachau geliebt und Gedichte, / Frauen, Wein und Ehre. Sonst liebt' ich nichts. Den Rest kennt keiner." -- "Soll keiner kennen" ist hier wohl gemeint.
Licht ins Dunkel von Márais aufregendem Leben bringt nun Ernö Zeltners gut lesbare und mit zahlreichen Dokumenten, Schriftstücken und Fotografien illustrierte Biografie. Angefangen bei Márais Geburt als Sándor Károly Henrik Grosschmids in Kachau (Kaschau) über seine Jugend und Erfahrung im Ersten Weltkrieg, seine Budapester Zeit und die Aufenthalte in Deutschland sowie erste Erfolge als Publizist und die produktiven 30er-Jahre zeichnet er ein erhellendes Porträt des großen Schriftstellers bis hin zu seiner politisch motivierten Ächtung in der Heimat und die überlange Zeit als Emigrant in Europa und den USA: eine Art Lebensalbum des faszinierenden Autors, das jeder Márai-Fan besitzen sollte.
Am 22. Februar 1989 erschoss sich Márai im Mercy Hospital von San Diego, aus Angst wohl, bald gänzlich auf Pflege angewiesen zu sein: "Die Kraftlosigkeit schwindet nicht", hatte er in seinem vermutlich letzten Brief an das Verlegerehepaar Vörösváry in Toronto kurz zuvor geschrieben. Nach seinem Selbstmord kultivierten Familienmitglieder und Freunde die versöhnliche Version, der körperlich geschwächte Autor sei an den Folgen einer Kopfverletzung nach einem Treppensturz gestorben. Das Verwirrspiel um die Person des Autors ging also unvermindert weiter. Um so wichtiger ist Zeltners Buch. --Thomas Köster